Well Considered

Abb. 1 — Der Autor trägt heute eine simple monochrome Kombination aus schwarzer Anzughose mit Bundfalte und einem Merinopullover mit Wasserfallausschnitt.
Blog für Männermode und
-kultur mit Tipps zu Stil und gutem Geschmack.
Für regelmäßige Updates kannst du den RSS-Feed abonnieren.

Abb. 1 — Der Autor trägt heute eine simple monochrome Kombination aus schwarzer Anzughose mit Bundfalte und einem Merinopullover mit Wasserfallausschnitt.

Abb. 1 — Le Gentleman avec moustache; Foto: Annika Reese
Fortsetzung der Schnurrbart-Saga.
Eins vorweg: Ich bin ein fauler Mensch. Daß ich auch in Stilfragen dem Primat der Bequemlichkeit huldige, macht mich wahrscheinlich nicht gerade zum Ehrenmitglied der League Of Gentlemen, liegt aber vielleicht in der Familie. Seit ich denken kann, trägt mein Vater aus, wie ich annehme vorwiegend praktischen Überlegungen, einen Vollbart und ich eifere ihm insofern nach, als mir die allmorgendliche Rasurprozedur an den meisten Tagen ebenfalls zu aufwendig erscheint.
Wenn meine Bartstoppeln zu lang werden und also beginnen, sich zusammenzuraufen, um ein ausgewachsener Vollbart zu werden, dann nennt mich meine Frau einen „Halunken“. Für mich das Zeichen, zum Bartstutzer zu greifen und damit einen etwa Dreizehn-Tage-Bart um zehn Tage zu kürzen. Das ist jedenfalls meistens die Regel. Nur alle paar Monate bricht sich meine Vorliebe für einen gepflegten Schnurrbart Bahn. Und zwar gegen den erklärten Willen meiner Frau.
Doch auch in mir selbst regen sich oben skizzierte Widerstände. Das Problem bei einem Schnurrbart ist, daß man den Rest des Gesichts täglich rasieren muß. Denn eine Kombination von Schnurr- und Drei-Tage-Bart sieht einfach fürchterlich aus. So stellt man sich den Räuber Hotzenplotz vor, so erinnert man sich an Bilder von Dieter Degowski am Ende des Gladbecker Geiseldramas. So will Mann nicht aussehen. Also wird der Bart nach wenigen Wochen wieder in den restlichen Gesichtsstoppelacker eingeebnet.
Man soll ja öfter mal was Neues ausprobieren und da ich noch nie ein Interview geführt habe, stelle ich der Frau, auf deren Meinung ich auch abseits dieser haarigen Angelegenheit eigentlich viel Wert lege, einige Fragen zum Thema.
Du magst es nicht besonders, wenn ich einen Oberlippenbart trage. Kannst Du etwas zu den Gründen sagen?
In erster Linie liegt es nicht am Aussehen. Es ist vor allem das Gefühl beim Küssen, so ein Schnurrbart stört dabei ungemein.
Okay das leuchtet ein. Selbst ich als gelegentlicher Träger muß zugeben, daß sich Küssen ab einer bestimmten Bartlänge nicht mehr ganz so toll anfühlt. Aber zufrieden bist Du mit dem Aussehen in zweiter Linie ebenfalls nicht?
Richtig, mein Vater hat eine ganze Weile einen Schnurrbart getragen. Und ich will nicht, daß mich der Anblick meines Mannes an meinen Vater erinnert. Hipstertum hin oder her, Schnurrbärte sind etwas für alte Leute. Bloß weil man sie ironisch trägt, werden sie noch lange nicht cool.
In der Tat, der in die Jahre gekommene Günther Grass ist ein klassischer Schnurrbärtiger. Männer, die man gar nicht ohne Oberlippenbehaarung kennt bzw. sich überhaupt nicht vorzustellen in der Lage ist. Früher hat es allerdings Männer gegeben, denen ein Schnurrbart gut zu Gesicht gestanden hat.
Aber das liegt meiner Meinung nach nicht am Schnurrbart allein, niemand wird einzig aufgrund seines Schnurrbarts zu einer einnehmenden Erscheinung. Ich würde sagen, bei Männern wie Errol Flynn oder Tom Selleck ist ein Schnurrbart im Zuge des Gesamterscheinungsbildes zu tolerieren. Clarke Gable in „Vom Winde verweht“ ohne Schnurrbart – undenkbar.
Gerade deswegen möchte ich bezweifeln, daß der Oberlippenbart in Teilen der heutigen Jugend eine rein ironische Verwendung findet. Allerdings haftet ihm etwas Unoriginelles an, wie das heutige Tragen von Kleidung der 80er-Mode. Der Schnurrbart ist zuallererst ein Zitat.
Das ist doch nichts Schlimmes. Was ist denn heute überhaupt noch originell? Ich kann ja verstehen, daß sich besonders junge Männer einen Bart stehen lassen. Sozusagen als Versicherung ihrer Männlichkeit. Wenn man unter zwanzig ist, dann sind Haare im Gesicht doch nur ein Code für: Haare am Sack. Und das ist ja auch in Ordnung.
Nur bitte keinen Schnurrbart?
Genau.
Ein Manko hat das iPad ja: Die liebste Lektüre lässt sich in aller Öffentlichkeit, zum Beispiel im Kaffeehaus, nicht mehr auf’s Plakativste demonstrieren. Dass man liest: ersichtlich. Wie man liest (modern, gentle, digital): ersichtlich. Was man liest: nunmehr unsichtbar—verborgen hinter dem schwarzen Apfel.
Das Magazin als Accessoire und Stil-Ikon, daumendick und nicht selten buchteuer, stirbt damit aus. Das Cover als Geschmackspranger, ob im Flanieren unter den Arm geklemmt, im Flieger wie zufällig auf dem Schoß drapiert oder in der Hotellobby FAZ-artig vor die Nase gehalten, verliert an Dasein, ja, gar den wesentlichen Teil seiner Daseinsberechtigung. Titelthemen sind wieder Privatsache.
Und so rauscht auch weiterhin etwas durch des Herren Kopf beim doppelten Espresso. Bloß was es ist, bleibt fortan sein Geheimnis.
Für alle, die dies nicht davon abhält, in Gesellschaft gleichwohl stilvoll wie Stilvolles zu lesen—hier meine Top 5 der Männermagazine, via RSS oder Flipboard zu abonnieren:
Men’s Mentore
Sartorially Inclined
Manner of Man
The Impossible Cool
Blackbird
Leonike de Klontjes ist Kommunikosophin, Creative Professional und notorisch geschmackvoll. Sofern ihre Zeit es zulässt, wird sie das Blog auch in Zukunft von Hamburg aus bereichern und sich dabei immerzu fragen: If I was a Modern Gentle Man. Blicke in ihren eigenen Kleiderschrank gewährt sie uns derweil unter: svpply.com/deklontjes

Abb. 1 — American Fashion Designers at Home
Obwohl das hier überhaupt kein Modeblog sein soll (ja ich weiß, es ist trotzdem eines, so in weitem Verständnis der Menschheit von Mode), kann man den Autoren (also Malte und mir und demnächst weiteren) eine Zuneigung zu der Thematik sicher nicht absprechen. Und als Klischeedesigner finde ich natürlich auch noch (Innen-)Architektur total spannend. Kein Wunder, dass sich mein Blutdruck bei dem Titel »American Fashion Designers ar Home« sofort vervielfacht hat. Das Buch hält, was es verspricht (es verspricht ja jetzt auch nicht sooo viel, wenn man es mal wörtlich nimmt) und ist einfach ein wahnsinniger, wenn mit 65$ auch nicht unbedingt günstiger, Inspirationsbatzen. Ich dekoriere jedenfalls das kommende Wochenende um.

Abb. 1 — Zahnstocher mit Minzgeschmack
Die Headline ist das Problem. Also nicht die Headline, sondern der Inhalt der Headline. Spinat zwischen den Zähnen. Das ist das Problem. Es muss nicht Spinat sein, es können auch Rippchenreste, Brotkrümel, eigentlich kann es alles sein. Eine Lösung für das Problem gibt es aber auch: Zahnstocher.
Hier gelangen wir zu einer kleinen persönlich werdenden Anekdote. Denn als Besessener von einer seltsam kuriosen Empfindung gegenüber Zähnen, ist es mir nicht möglich ohne Unwohlsein Zahnstocher oder Zahnseide zu benutzen. Und obwohl ich mir die Zähne mit größter Sorgfalt jeden Morgen und Abend reinige und seit vielen Jahren nicht mit Karies, Löchern oder sonstigen Befällen zu kämpfen hatte, überkommt mich allein bei dem typischen Duft einer Zahnarztpraxis eine unüberkommbare Gänsehaut und Zittern der Fingerchen. Nun sind wir mit unserem Büro in ein Lädchen gezogen, das sich unterhalb einer Zahnarztpraxis befindet, die von zwei Zahnarzt-Brüdern betrieben wird. Diese waren herzlich, nett und hilfsbereit in den Tages des Einzugs, konnten mir bei aller Sympathie aber kein bisschen meiner Phobie nehmen.
Was ich damit sagen möchte: Aus ganzem Herzen kann ich es nicht empfehlen immer Zahnstocher dabei zu haben. Die Vernunft rät doch aber stark dazu. An anderer Stelle habe ich ja bereits über die Vorzüge von Zahnstochern mit Minzgeschmack schwadroniert, das ist doch eine Alternative zu dem hölzernen Standardmodell.
Weil ich aber ein großer Fan von leeren Taschen bin, empfinde ich es schon fast als Beleidigung dem geneigten Leser schon wieder etwas zu empfehlen, das er sich in die Tasche stecken kann, nachdem ich vor kurzem bereits zu Streichhölzern geraten habe. Die optimalen Zahnstocher wären also diejenigen, die auf der einen Seite Zahnstocher mit Minzgeschmack sind, auf der anderen aber Streichhölzer. Vielleicht bringt der Kapitalismus ja auch so etwas hervor eines Tages.
Es gibt Tage, an denen hat man nicht einmal Zeit, die Schlagzeilen bei Zeit Online zu lesen. Geschweige denn, ein schönes Magazin aufzuschlagen oder mehr als einen Espresso Ristretto an der italienischen Bar zu trinken. An solchen Tagen freut man sich über die schönen, formalisierten Rules of a Gentleman, die einen kleinen Blick auf das gute Leben erlauben. Am schönsten sind die kleinen, ehrlichen Kommentare der Macher: At some point, we lost sight of this. Wir schließen uns an.
Trotzdem: Das Problem – Integration –, um das es geht, ist ein real existierendes. Das haben Zeitungen und Menschen auch erkannt und bieten auch schon Lösungsansätze. Die lauten meistens aber: Wenn das Problem bei den Ausländern liegt, müssen wir einfach die Ausländer los werden.
Das ist eine schwachsinnige Lösung. Es ist nicht nur wegen ihres menschenfeindlichen Charakters eine schwachsinnige Lösung, es ist nicht nur wegen des idealogischen Unterbaus, der ihr zugrunde liegt, eine schwachsinnige Lösung – es ist eine schwachsinnige Lösung, weil sie das Problem nicht löst. Weil sie am Problem komplett vorbeigeht.
Das Integrationsproblem ist nämlich kein Ausländerproblem. Es ist ein strukturelles. Das Problem ist, und das offenbart dieser Lösungsansatz ebenfalls, dass unsere Gesellschaft (genauer: unsere Gesellschaftsschichten) radikal gespalten sind. Dass die Zugehörigen einer Gesellschaftsschicht in radikal unterschiedlichen Realitäten leben.
In unserer Gesellschaft haben die Menschen nämlich nie gelernt miteinander zu kommunizieren. Also direkt miteinander natürlich schon – der Mercedesfahrer kann prima mit seinem Golflehrer und der Hobbyrapper mit seinen “Gang”freunden. Innerhalb einer Schicht funktioniert es gerade so. Die Oberschicht versteht aber die Unterschicht nicht. Und umgekehrt.
Dieser Zustand führt vor allem zu Angst. Und Angst ist in letzter Konsequenz, was die Meinungen und Taten der Menschen, was die Integrationsfrage angeht, bildet. Wir haben Angst vor den ungebildeten Schlägern in der S-Bahn. Die haben Angst vor uns, die wir Jobs zu vergeben haben – aber eben nicht an die.
Gegen diese Angst kann man ähnlich vorgehen, wie man es auch bei anderen Ängsten tut: Darüber sprechen, Angstvorstellung und Realität abgleichen, mit Vernunft an die Sache gehen. Und trotzdem kann man von ihr auf diese Weise ohne Weiteres nicht befreit werden. Ich halte mich selbst für weltoffen und was diese Frage angeht sehr aufgeklärt – und trotzdem, wenn ich mich selbst Frage, ob ich an jemanden, der auf mich wie ein Hobbyrapper oder U-Bahn-Schläger wirkt, einen Job vergeben würde, muss ich zugeben: Ich täte es nicht.
Die einzige Möglichkeit die Gesellschaft von dieser Angst zu befreien kann nur sein die Menschen sich gegenseitig vorzustellen und das Kommunizieren beizubringen. Und zwar dann, wenn im gegenwärtigen System die Spaltung beginnt: Im Kindesalter. In der Schule.
Die Spaltung der Gesellschaft, und damit auch das Integrationsproblem, wurzelt vor allem im Schulsystem. Denn von Anfang an werden Kinder verschiedener Schichten getrennt. Bereits in Kindergarten und Grundschule dadurch, dass sie in unterschiedlichen Vierteln wohnen. Und später auch auf den weiterführenden Schulen werden sie in Gymnasiasten, Realschüler und Hauptschüler unterteilt und für ihr Leben gebrandmarkt. Und zusammen damit bekommen sie auch einen Lebensweg mitgegeben und anerzogen.
Und so wachsen und wuchsen wir alle in Paralleluniversen auf, in denen wir vor allem eines gelernt haben: Die anderen Paralleluniversen zu verachten. Die Scheißbonzen in ihren schwarzen Limousinen und die faulen Hartz IV Empfänger, die auf ihren Sofas den ganzen Tag mit Mandy und Kevin Barbara Salesch glotzen.
Wenig überraschend ist da, dass Länder, die über ein Schulsystem mit integrierten Gesamtschulen verfügen, diese Art von Integrationsproblematik nicht haben. Und wenig überraschend, gleichzeitig aber absolut absurd, ist, dass dieses Schulsystem hier fast durch die Bank (pun!) abgelehnt wird. Wahrscheinlich: Aus Angst, dass die eigenen Kindern mit den bösen “Anderen” in Berührung kommen müssen.
So finden wir nie zueinander.
Als Hobbyinnenraumgestalter wählt man gerne für jeden Raum eine Farbe, die sich dann durch die gesamte Gestaltungslinie hindurchzieht. Und dann sieht man eine Ecke, in die dann doch etwas passen könnte. Oder es fehlt die zum Wohnzimmer passende Kleidung. Diese Serie beseitigt dieses Luxusproblem. Dieses Mal in: Blau. Einem Blau, das eher Cyan ist.
Gleichermaßen ansprechende wie passende Kleidung zu besitzen ist schon einmal eine gute Sache. Noch besser ist es, diese auch dabei zu haben, wenn es darauf ankommt. An diesem Punkt wird es kompliziert für den Herrn. Denn: Sakkos aus dickerem Stoff falten sich enorm schlecht. Hemden knittern schnell, sofern sie nicht aus Flanell oder Leinen sind. Kleidersäcke sind grundsätzlich zu verachten und die wenigstens Koffer nehmen die Garderobe ungefaltet auf. Was also tun, um am Reiseziel nicht derangiert aufzutreten, sondern frisch und geradeheraus? Zwei Empfehlungen.
Die Kollegen von Put This On haben sich zu dieser Frage bereits im Juli einmal sehr praxisnah genähert und erklärt, wie man einen ganzen Anzug schnell und einfach zusammenlegt. Und zwar so, dass das Kleidungsstück weder Schaden nimmt noch Falten an den falschen Stellen bekommt.
Für mich hat sich die – zugegeben – etwas unorthodoxe Methode aufrollen bewährt. Zum einen, weil sie T-Shirts, Hemden und Hosen schnell und faltenfrei auf ein platzsparendes Format bringt. Zum anderen, weil die resultierenden Rollen perfekt für kleine, aber tiefe Reisetaschen geeignet sind (Weekender, Holdall). Empfindliche Kleidungsstücke sollten nicht zu eng gerollt werden, sonst verursacht auch diese Methode Knitterfalten.
Wem beide Empfehlungen zu kurz greifen, möge sich die Perfektion einer profanen Tätigkeit doch einfach mal wieder in Japan abschauen.